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Schlussresümee zum ersten Internationalen Orgelsommer am Hohen Dom zu Mainz
Domorganist Daniel Beckmann im
Gespräch mit Jan-Geert Wolff
Jan-Geert Wolff:
Der erste Internationale Orgelsommer in Mainz ist zu Ende. War er
in Ihren Augen ein Erfolg?
Daniel Beckmann:
Oh ja. Die Konzerte waren mit durchschnittlich 200 bis 250 Besuchern sehr gut
frequentiert. Als Domorganist bin ich oft selbst in anderen Kirchen und
Kathedralen zu Gast, daher weiß ich, dass ein solcher Besuch bei Orgelkonzerten
keinesfalls selbstverständlich ist. Insbesondere an der Abendkasse hat sich
gezeigt, dass nicht nur die Mainzer, sondern auch viele Touristen und auswärtige
Orgelinteressierte Gebrauch von dem Angebot gemacht haben. Zugegeben: Zuvor
hatte ich ein wenig die Befürchtung, mit neun Konzertabenden in wöchentlicher
Folge ein wenig zu ehrgeizig gewesen zu sein, zumal ein neues Kulturangebot
natürlich immer auch ein gewisses Wagnis darstellt. Man kann sich nie sicher
sein, dem Bedarf und Geschmack der Kulturrezipienten zu entsprechen. Nun, nach
Abschluss des Festivals, bin ich aber froh und dankbar, dass das Konzept
aufgegangen ist, und somit ein neuer kultureller Akzent am Dom, in der Stadt und
der gesamten Region gesetzt werden durfte.
Jan-Geert Wolff:
Welche Reaktionen haben Sie denn vom Publikum
erhalten?
Daniel Beckmann:
Mich erreichten zahlreiche E-Mails, Briefe, Telefonate und persönliche
Ansprachen, die überraschend einstimmig Dank und Glückwünsche für den
Internationalen Orgelsommer zum Inhalt hatten. Viele Leute haben sich gefreut,
einen Einkaufsbummel in der Stadt mit einem Orgelkonzert im Dom ruhig ausklingen
lassen zu können, andere nutzten das Angebot als Beginn eines schönen Abends mit
anschließendem Restaurantbesuch. Einige haben mehrere Hundert Kilometer Anfahrt
auf sich genommen, um genau diesen oder jenen Künstler zu hören, und wiederum
andere haben sich eine Konzertkarte oder gar ein Festivalabonnement zum
Geburtstag schenken lassen. So hatten die Konzertbesucherinnen und –besucher
vielfältige Motivationshintergründe, in einem waren sich aber alle einig: der
Internationale Orgelsommer war eine Bereicherung.
Jan-Geert Wolff:
Und wie fanden die einzelnen Künstler die
Atmosphäre im Dom?
Daniel Beckmann:
Den Mainzer Dom haben alle geladenen Interpreten als sehr stimmungsvollen,
kunsthistorisch bedeutenden, außergewöhnlich atmosphärischen und somit
künstlerisch inspirierenden Raum kennen- und lieben gelernt. Das Publikum hat
sich als herzlich und dankbar erwiesen. So wurden in jedem Konzert durch lang
anhaltenden Applaus Zugaben verlangt, die die Künstler gerne zu Gehör brachten.
Bezüglich der Domorgel waren die Reaktionen jedoch weniger überschwänglich. Ein
Teil der geladenen Interpreten kannte zwar das Instrumentarium und wusste,
worauf er sich eingelassen hatte. Der andere Teil hingegen war von der
Komplexität der Domorgel regelrecht erschlagen und hat ganze „Nachtschichten“ im
Dom verbringen müssen, um die schwierige Situation mit fehlenden elektronischen
Spielhilfen und einem technischen Stand von 1964 verstehen und für das jeweilige
Programm einrichten zu können.
Jan-Geert Wolff:
Stilistisch konnten die Zuhörer Musik eigentlich sämtlicher Epochen hören.
Welche Idee steckte hinter dieser Programm-Planung?
Daniel Beckmann:
Es gab bewusst kein Motto, um den Gastorganisten größtmöglichen
Gestaltungsspielraum zu gewähren. Meiner Erfahrung nach sind Konzerte immer dann
am interessantesten, wenn der Interpret seine eigenen Vorlieben und Stärken
bewusst ausspielen kann. Insbesondere die Darbietung von Eigenkompositionen
durch zwei Gastorganisten wirkte vor diesem Hintergrund in besonderem Maße
authentisch. Natürlich hat sich der Name Liszt wie ein roter Faden durch die
Konzertprogramme gezogen, um seines 200. Geburtsjahres in besonderer Weise zu
gedenken. Ansonsten stand Musik des 14. bis 21. Jahrhunderts auf dem Programm.
Jan-Geert Wolff:
Wird es eine Fortsetzung im kommenden Jahr
geben?
Daniel Beckmann:
Gestärkt durch die positiven Reaktionen und hohen Besucherzahlen bin ich
zuversichtlich, das Angebot im nächsten Jahr fortsetzen zu können. Langfristig
wünsche ich mir darüber hinaus, dass der Internationale Orgelsommer zu einer
festen Institution im hiesigen Kulturleben werden darf.
Jan-Geert Wolff:
Wann müssen Sie mit den Planungen hierfür
beginnen?
Daniel Beckmann:
Die Planungen müssen unmittelbar jetzt in Angriff genommen werden, da
international renommierte Organisten frühzeitig angefragt werden möchten.
Jan-Geert Wolff:
Wird es Änderungen zum Konzept des ersten Durchlaufs geben?
Daniel Beckmann:
Der konkrete Zeitrahmen muss noch intern abgestimmt werden. Mit
Rücksicht auf die Beichtgelegenheit vor Konzertbeginn und das 18:00-Uhr-Geläut,
das leises Orgelspiel im Dom zum Teil übertönt hat, sollten die Konzerte
zukünftig eine halbe Stunde später beginnen. Eventuell könnte ein gelegentlicher
Einsatz von weiteren Instrumentalisten im Zusammenspiel mit Orgel für
Abwechslung sorgen. Ansonsten denke ich, dass das Konzept gut war und eine
Wiederholung durchaus verdient hat.
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