Domorgeln
Einführung
1334-1928
Die Klais-Orgel im Westchor 1928
Die Kemper'sche Neuordnung 1965
Notwendigkeit einer zeitgem. Neukonzeption
Konstruktiver Ausblick
Dispositionen
Standorte
Gotthardkapelle
Die Klais-Orgel im Westchor von 1928
Pfeifenwerk der Klais-Orgel von 1928, Quelle: Mainzer Domorgel-Archiv

Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten und des besonderen Anforderungsprofils musste schließlich auch das Domorgelkonzept aus den 1920er Jahren letztendlich scheitern. Bei einer Größe von 75 klingenden Registern (IV/Ped), verteilt auf die beiden Nischen der nördlichen und südlichen Konchie, sollte das heute noch in Teilen erhaltene, in sich höchst qualitätvolle spätromantische Werk (Opus 710) des rheinischen Orgelbauers Hans Klais (Bonn) für den Betrachter im Dom vollständig unsichtbar hinter dem spätbarocken Westchorgestühl, ganz in der Nähe des Hochaltars positioniert werden. Den verbindlichen Auftrag zum Neubau dieser viermanualigen "Zwillingsanlage", der im Wesentlichen die liturgische Funktion einer repräsentativen Chororgel für den feiernden Klerus zukam, erhielt Hans Klais am 5. Juni des Jahres 1928. Unmittelbar vorausgegangen war ein Ideenwettbewerb der Orgelbaufirmen Klais (Bonn), Gebr. Späth (Ennetach), Stahlhuth (Burtscheid bei Aachen), E. F. Walcker (Ludwigsburg), Siemann (München) und Michael Körfer (Gau Algesheim). Der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Domkapellmeister Vogt bringt in seinem unter dem 16. August an das Domkapitel adressierten Rücktrittsgesuch seine Empörung darüber zum Ausdruck, dass er in die Auftragsvergabe nicht involviert gewesen sei. Er wisse, so Vogt, jedoch aus sicherer Quelle, dass Klais bereits vor jenem Tage mit den Arbeiten an der Domorgel begonnen habe … Das neue Opus 710 (bis dato die größte Domorgel von Klais) erklang "offiziell" das erste Mal im Pontifikalamt mit dem Apostolischen Nuntius Eugenio Pacelli (der spätere Papst Pius XII.) am 16. Oktober 1928. Anlass war die Wiederweihe des Domes nach Abschluss der großen Domsanierung in den 1920er Jahren. Tatsächlich waren zu diesem Anlass lediglich einige Stimmen des I. und III. Manuals sowie des Pedals spielbar. Erst am 13. August 1929 konnte das nunmehr vollendete Werk regulär abgenommen werden. Die Kosten beliefen sich laut Handbuch der Diözese Mainz (herausgegeben von der Bischöflichen Kanzlei 1931) auf 64 000 Reichsmark. Hinsichtlich einer feierlichen "Orgelweihe" oder eines etwaigen Inauguralkonzerts existieren keine Archivhinweise. Domorganist in Mainz war zum damaligen Zeitpunkt formal (noch) Jacob Schömbs (Amtszeit: 1878 bis 1930), der aber bald von Friedrich Lennert (1930 bis 1940) abgelöst wurde. Dieser hat gemäß der Klais-Archivalien das Zepter in Sachen Orgelneubau wohl in der Hauptsache bereits übernommen.

 

aus:

Beckmann, Daniel: "Aus alt mach neu". In: ORGAN_Journal für die Orgel. Mainz: Schott, 2012: Heft 2. S. 11 f.

 

 
Schon gesehen...?

Spieltisch der Westchor Orgel, Hans Klais 1928, historische Aufnahme, Quelle: Mainzer Domorgel Archiv

Ursprünglicher Spieltisch der Westchor Orgel, Hans Klais 1928, historische Aufnahme, Quelle: Mainzer Domorgel-Archiv


JPG Disposition der Klais Orgel von 1928 (bis 1965), Quelle: organ_Journal für die Orgel, Ausgabe 2/2012


Blick in das Pfeifenwerk der Klais-Orgel von 1928, historische Aufnahme, Quelle: Mainzer Domorgel Archiv

Blick in das Pfeifenwerk der Klais-Orgel von 1928, historische Aufnahme, Quelle: Mainzer Domorgel-Archiv


PDF Beurteilung der Domorgel, in: Klais Firmenpublikation Folge 9/1929

Schon gewusst...?

CD Cover "Daniel Beckmann spiel Liszt, Mozart, Mendelssohn", Quelle:IFO Classics

Bei seiner Debut CD als Domorganist hat Daniel Beckmann ausschließlich die noch erhaltenen Register der Domorgel von 1928 genutzt, um eine Ahnung von der Faszinationskraft des ursprünglichen, spätromantischen Klangcharakters zu vermitteln.

 
 

© Daniel Beckmann 2012